Für TFA
Information für Tiermedizinische Fachangestellte
Fäkale Mikrobiota Transplantation
Die Gesamtheit aller Mikroorganismen, die im Verdauungstrakt leben, nennt man intestinale Mikrobiota. Sie fungieren unter anderem als Abwehr für Krankheitserreger, Aufrechterhaltung der Darmbarriere, unterstützen die Verdauung der Nährstoffe und sind eine Energiequelle der Darmzellen. Stimmt etwas mit ihrer Zusammensetzung oder Vielfalt nicht, bezeichnet man dies als Dysbiose. Sie kann z. B. durch akute oder chronische Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts oder Medikamente (Antibiotika, Säureblocker) ausgelöst werden und zur Vermehrung pathogener Bakterien, erhöhter Entzündungsreaktion und Diarrhoe führen. Wird die zugrundeliegende Ursache der Erkrankung nicht behandelt, kann es zu anhaltenden klinischen Symptomen kommen.
Da mithilfe der oralen Verabreichung von Probiotika oft kein ausreichender Effekt erzielt werden kann, kann sowohl bei akut als auch bei chronisch erkrankten Patienten die Transplantation von Kot eines gesunden Spenders mittels Einlauf in den Enddarm des Empfängers (Fäkale Mikrobiota Transplantation, Kottransplantation, FMT) eine sinnvolle Option sein. Auf diesem Weg kann eine deutlich größere Menge „guter“
Bakterien in den Darm verbracht werden als über die orale Route. Die FMT ist ein beliebtes Verfahren, da sie minimalinvasiv, gut verträglich, medikamentenfrei und sicher ist.
Hilfreich ist die FMT sowohl bei bakterieller Fehlbesiedelung des Darms nach Antibiotikagabe, als auch bei akuten Erkrankungen wie Parvovirose oder AHDS (Akutes Hämorrhagisches Diarrhoe Syndrom) und bei chronischer Enteropathie. Bei chronisch erkrankten Patienten ist es allerdings sinnvoll, zunächst andere Ursachen der Symptomatik auszuschließen und die Fütterung umzustellen. Für eine Kottransplantation benötigt man einen passenden Spender. Dieser sollte verschiedene Kriterien erfüllen und wiederholt Untersuchungen durchlaufen, um sicherzugehen, dass ein gesundes Mikrobiom
transplantiert wird. Die Tierklinik Hofheim verfügt über eine Kotspende-Bank für Hunde. Unsere Spender werden regelmäßig nach den aktuellen Richtlinien gescreent, so dass jederzeit eine Transplantation durchgeführt werden kann. Dabei wird mit einer flexiblen Sonde der Spenderkot rektal in den Darm des Empfängers verbracht. Diese Prozedur ist nicht schmerzhaft und kann in der Regel ohne Narkose erfolgen.
Ihr Tier sollte auf die Kottransplantation vorbereitet werden. Bitte füttern Sie Ihren Hund sechs Stunden vor der Transplantation nicht, um die Verdauungstätigkeit so gering wie möglich zu halten. Die Wasseraufnahme ist erlaubt. Ein langer Spaziergang unmittelbar vor der Kottransplantation ist sinnvoll, damit der Enddarm möglichst leer ist. Im Anschluss an die Transplantation sollte etwa zwei Stunden lang kein Spaziergang erfolgen. Bitte beachten Sie, dass bei der FMT ein Naturprodukt transplantiert wird. Trotz aller Sorgfalt kann eine Übertragung von Krankheitserregern nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Sollten Sie bei Ihrem Tier nach der Transplantation eine Verschlimmerung der Symptomatik bemerken, bitten wir um zeitnahe Rückmeldung.
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