Das Hornhautulkus

Was ist ein Hornhautulkus?
Unter einem Hornhautulkus versteht man einen Defekt in der Hornhaut. Die Hornhaut schließt das Auge nach außen ab und trägt zur Lichtbrechung bei. Sie ist nur ca. 0,5 mm "dick" und hat im Normalzustand keine Blutgefäße, wie sonst fast alle Gewebe außerhalb des Auges. Dadurch ist die Hornhaut durchsichtig. Durch die fehlende Blutgefäßversorgung  ist die Hornhaut aber anfälliger für Verletzungen. Wie ein Sandwich besteht die Hornhaut (vereinfacht gesagt) aus 3 Schichten: Dem dünnen Epithel (äußere Schutzschicht), dem dicken Stroma in der Mitte und innen dem dünnen Endothel.
Je nachdem, welche Schicht betroffen ist, spricht der Tierarzt von einem oberflächlichen oder tiefen (stromalen) Defekt. Beim Boxerulkus ist nur die oberflächlichste Schicht, das Epithel, betroffen.

Woran merke ich, dass mein Tier ein Hornhautulkus hat?
Hornhautulzera sind in der Regel sehr schmerzhaft. Ihr Tier zeigt Ihnen dies zum Beispiel durch Kneifen oder Tränen des Auges an. Das Auge selber kann gerötet und trüb sein.

Wie diagnostiziert der Tierarzt ein Ulkus?
Nach einer Allgemeinuntersuchung werden beide Augen gründlich „von vorne bis hinten“ untersucht. Um ein Ulkus zu diagnostizieren wird das Auge vor allem mit einer Spaltlampe (handgehaltenes Augenmikroskop) angeschaut und das Auge mit einem grünen Farbstoff angefärbt. Dies ist für Ihr Tier nicht schmerzhaft.

Welche Tiere haben typischerweise ein Boxerulkus?
Wie der Name schon sagt, sind vor allem Hunde der Rasse „Boxer“ von der Erkrankung betroffen. Aber auch jede andere Rasse oder Mischlinge können betroffen sein. Typischerweise tritt die Erkrankung bei Hunden auf, die 6 Jahre oder älter sind. Ist ein Hund einmal von der Erkrankung betroffen, kann sie auch auf dem anderen Auge oder wiederholt auf demselben Auge auftreten.

Warum heilt das Boxerulkus nicht ab?
Bei „gewöhnlichen“ Hornhautdefekten schiebt sich das Epithel bei einem oberflächlichen Hornhautulkus über den Defekt  und verankert sich mit sog. Hemidesmosomen im  darunter liegenden Stroma Bei einem Boxerulkus legt sich aber eine hyaline Membran (durchsichtiges Häutchen) wie eine Decke auf das Stroma, die das Anhaften vom Epithel verhindert. Eine echte Abheilung findet nicht statt.

Abbildung 1: Vereinfachte Darstellung der gesunden Hornhaut. Das Epithel haftet dem Stroma mit Hemidesmosomen (Zellverankerungen) an.

Abbildung 2: Bei einem Boxerulkus liegt ein Defekt des Epithels vor. Da sich eine hyaline Membran (grün) auf dem Stroma bildet, können die Hemidesmosomen das Epithel nicht verankern – eine Abheilung des Defekts ist unmöglich.

Welche Behandlungsoptionen gibt es für das Boxerulkus?
Jede Therapie zielt darauf ab, die hyaline Membran auf dem Stroma zu entfernen da sonst keine Abheilung stattfinden kann. Eine Behandlung mit Tropfen oder Salben alleine führt in aller Regel nicht zum Erfolg.

1. Behandlung mit der Diamantfräse in Lokalanästhesie
Die hyaline Membran kann mittels Diamantfräse entfernt werden. Dies kann bei den meisten Tieren in lokaler Betäubung durchgeführt werden. Dazu werden zunächst Tropfen ins Auge gegeben, um das Auge zu betäuben. Danach wird das lose Epithel zur Seite geschoben, um das Ausmaß des Defekts abzuschätzen. Dann wird die hyaline Membran mit der Diamantfräse entfernt. Im Anschluss wird eine Bandagelinse (Kontaktlinse) eingesetzt. Sie wirkt wie ein Verband, macht das Auge komfortabler und verkürzt die Heilungszeit. Der Tierarzt tropft auch ein Medikament ein, um die Pupille für ein paar Tage weit zu stellen und damit das Auge weniger schmerzhaft zu machen – dies führt oft zu einem grünlichen Aussehen des Auges in bestimmten Lichtverhältnissen.
Insgesamt führt  die Behandlung mit der Diamantfräse und dem Einsetzen einer Bandagelinse bei 80-90 % der Tiere zu einem Abheilen innerhalb von 10-14 Tagen. Heilt das Ulkus nicht ab, kann die Behandlung mit der Diamantfräse wiederholt werden oder alternativ eine Keratektomie durchgeführt werden.

2. Keratektomie in Narkose
Bei dieser Therapie wird die hyaline Membran und die oberflächlichste Schicht des Hornhautstromas in Narkose und mit Hilfe des OP Mikroskops chirurgisch entfernt (Keratektomie). Eine Bandagelinse wird eingesetzt, um den Heilungsvorgang zu erleichtern.
Vorteil der Methode ist die hohe Heilungschance: 99,9% aller Boxerulzera heilen mit dieser Behandlung ab. Sie eignet sich vor allem für Hunde, die sehr ängstlich oder aggressiv sind und die eine Behandlung in Lokalanästhesie nicht tolerieren. Nachteile sind die benötigte Narkose und die höheren Kosten.

Welche Komplikationen können nach der Behandlung auftreten?
Selten kommt es nach der Behandlung zu Infektionen der Hornhaut. Dies kann trotz der Gabe eines lokalen Antibiotikums auftreten. Warnzeichen sind vermehrtes Augenkneifen, eine vermehrte Trübung und ein gelblicher Ausfluss. Sollten Sie diese Warnzeichen bei Ihrem Tier feststellen, nehmen Sie bitte Kontakt mit uns auf.


Was muss ich zu Hause machen?
Die Nachbehandlung umfasst die Gabe von einer antibiotischen Augensalbe, um Infektionen zu vermeiden und die Gabe von Schmerzmitteln. Eine Halskrause ist in manchen Fällen erforderlich, sollte Ihr Hund am Auge reiben. Eine Nachuntersuchung ist in der Regel 10 Tage nach der Erstbehandlung erforderlich.

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