Bestrahlungstherapie

Informationen zur Strahlentherapie

Die Strahlentherapie ist neben der Chirurgie und der Chemotherapie eine wichtige Säule der Therapie in der Onkologie bei Tier und Mensch. Zusätzlich zur Tumorbehandlung kann eine Strahlentherapie auch bei orthopädischen Patienten sehr sinnvoll sein, um chronische Schmerzen zu nehmen oder zu lindern.

Hier möchten wir Ihnen einen Überblick über die Bestrahlungstherapie in der Tierklinik Hofheim geben. Neben den allgemeinen Informationen finden Sie einen Videolink, der den Weg eines Patienten von der Bestrahlungsplanung bis zur eigentlichen Bestrahlungstherapie begleitet. Zusätzlich finden Sie noch ein PDF-Dokument, das sehr ausführlich den Ablauf einer Bestrahlungstherapie schildert und auf häufig gestellte Fragen eingeht (in Vorbereitung).

Labrador während einer Bestrahlungstherapie.

Arten der Bestrahlungstherapie

Die Bestrahlung ist eine wichtige Form der Tumortherapie. Es wird zwischen primären (= alleinigen), adjuvanten und neoadjuvanten Bestrahlungtherapien unterschieden.  

Bei manchen Tumoren wird zur Behandlung eine alleinige (= primäre) Bestrahlungstherapie durchgeführt. Zum Beispiel ist die Bestrahlung bei Nasentumoren und bei den meisten Gehirntumoren die Therapie der Wahl. Bei anderen Tumoren wird die Bestrahlung mit einer Operation oder Chemotherapie kombiniert (= adjuvante Strahlentherapie). Sehr häufig werden inkomplett entfernte Tumoren nachbestrahlt, zum Beispiel Mastzelltumoren und Fibrosarkome, die aufgrund ihrer Lokalisation nicht mit ausreichend Sicherheitsabstand entfernt werden konnten. Präoperative (= neoadjuvante) Bestrahlungen werden durchgeführt, wenn eine operative Tumorentfernung nicht direkt möglich ist. Ziel ist es hier, die Tumormasse zu verkleinern, damit nachfolgend eine Operation durchgeführt werden kann.

Bestrahlung eines Tumors am Bein. Adjuvante Bestrahlung nach inkompletter Tumorresektion.

Bestrahlungsprotokolle

Man unterscheidet definitive (manchmal auch kurative genannt) und palliative Bestrahlungsprotokolle.

Definitive Bestrahlungsprotokolle haben die Heilung oder langfristige Kontrolle des Tumors zum Ziel. Bei palliativen Protokollen geht es eher um die mittelfristige Verlangsamung des Tumorwachstums und der Verbesserung der Lebensqualität des Patienten.

Die Gesamtdosis der Bestrahlungstherapie wird in mehrere Einzeldosen unterteilt, was als "Fraktionierung" bezeichnet wird. Je nach Tumor und Therapieplan werden bei kurativen Protokollen zwischen 10 und 20 Fraktionen appliziert (Bestrahlung in der Regel 5 x wöchentlich). Bei palliativen Protokollen werden 4-6 Fraktionen appliziert. Die Behandlungen erfolgen in einer kurzen, oberflächlichen Gasnarkose. Da die einzelne Bestrahlungsfraktion nur wenige Minuten in Anspruch nimmt, wird sie nach Möglichkeit ambulant durchgeführt. Ein stationärer Aufenthalt für Patienten mit weitem Anfahrtsweg ist jedoch möglich.

Schmerzbestrahlung

Ein weiteres Anwendungsgebiet für die Bestrahlung sind Arthrosen. Für die Bestrahlung von Gelenkserkrankungen werden nur ganz geringe Dosen verabreicht, Nebenwirkungen sind nicht zu erwarten. Es reichen erfahrungsgemäß 3-6  Behandlungen aus, um selbst hochgradige Arthroseschmerzen zu lindern. Es können mehrere Gelenke gleichzeitig behandelt werde. Vor einer Bestrahlung von Arthrosen müssen die Patienten in der orthopädischen Sprechstunde vorgestellt werden. 

Informationen zu unserem Strahlentherapiegerät

Bereits seit Januar 2003 verfügt die Tierärztliche Klinik für Kleintiere in Hofheim über eine eigene, ausschließlich für Tiere genutzte Megavoltage-Bestrahlungsanlage. Diese wurde 2016 durch einen hochmodernen Linearbeschleuniger ersetzt, der die Einsatzmöglichkeiten der Bestrahlungstherapie radikal erweitert.

Schemazeichnung der Bestrahlungsanlage

Seit August 2016 haben wir den Linearbeschleuniger Elekta Synergy in Betrieb. Dieses Gerät ermöglicht uns die Anwendung der neuesten Bestrahlungstechniken, durch die wir unsere Patienten noch besser und schonender bestrahlen können.

Ein sogenannter Multilamellenkollimator ermöglicht es uns, das Bestrahlungsfeld optimal an die Tumorform anzupassen. Der Kollimator begrenzt das Bestrahlungsfeld und besteht aus vielen dünnen Bleischeiben, die in das Feld hineingefahren oder herausgefahren werden können. Dadurch können die verschiedensten Felder geformt werden  Eine Besonderheit unseres Multilamellenkollimators sind die nur 0,5 cm breiten Lamellen, die vor allem bei kleinen Patienten eine sehr genaue Bestrahlung ermöglichen.

Multilamellenkollimator

Conebeam-CT

Für die Bestrahlung ist es wichtig, dass die Patienten bei jeder Bestrahlungssitzung auf den Millimeter genau gleich gelagert sind wie bei der Computertomographie für die Bestrahlungsplanung. Unser Linearbeschleuniger verfügt über ein integriertes Conebeam-CT, mit dem vor jeder einzelnen Bestrahlung die Lagerung überprüft und auf den Millimeter genau angepasst werden kann. So wird sichergestellt, dass die Strahlung exakt auf den Tumor verabreicht wird und gesundes Gewebe geschont wird.

Lagerung mit Maske und Vakuumkissen während Conebeam-CT (im Hintergrund) und Bestrahlung.

IMRT

Die Technik der IMRT (= intensitätsmodulierte Radiotherapie), ermöglicht es, die Strahlung noch besser im Tumor zu verteilen. Wie bei einer normalen Bestrahlung erfolgt die Bestrahlung aus verschiedenen Einstrahlrichtungen. Dabei wird jedes Bestrahlungsfeld in viele kleine Felder zerlegt. Diese Felder werden von einem Computerprogramm so berechnet, dass die Strahlung optimal im Tumor verteilt wird, dabei aber die Risikoorgane maximal geschont werden. Nur durch diese Technik ist eine ideale Bestrahlung von konkaven Tumorformen möglich. Ein klassisches Beispiel für eine deutlich schonendere Bestrahlung durch eine IMRT sind zum Beispiel Nasentumoren. (Siehe Abbildung1).

Abbildung 1: Querschnitt durch den Kopf einer Katze mit Nasentumor
Der zu bestrahlende Bereich ist rot dargestellt. Die Augen liegen direkt neben dem Tumor. Blau = rechte Augenlinse, grün = linke Augenlinse. Die farbigen Linien stellen die Dosisverteilung dar. Die orangene Linie (= Hochdosisbereich) soll möglichst den roten Bereich umschließen.
Links: Normale 3D-Planung: Die Dosisverteilung ist in etwa geformt wie ein Rechteckt. Die orangene Linie geht mitten durch das linke Auge und zum Teil auch durch das rechte Auge.
Rechts: IMRT-Planung: Die Dosisverteilung passt sich an die Form des Nasentumors an. Die orangene Linie läuft konkav an den Augen entlang, die Augen erhalten dadurch viel weniger Dosis als bei der normalen Planung. 

Abbildung 2: Organdosis-Kurve
Y-Achse: Volumenprozentanteil eines Organs
X-Achse: Dosis in cGy
Blaue Kurve: Dosiskurve der rechten Augenlinse
Grüne Kurve: Dosiskurve der linken Augenlinse
Rote Kurve: Dosiskurve für den Tumor
Die durchgezogene Linie zeigt den Verlauf be einer normalen 3D-Planung
Die gestrichelte Linie zeigt  den Dosisverlauf bei der IMRT-Planung

Betrachtet man sich die Dosis, die 50% der Linsen jeweils erhalten, sieht man, dass das rechte Auge (blau) bei der normalen 3D-Planung verglichen zu IMRT-Planung mehr als die doppelte Dosis erhält. Das linke Auge (grün) erhält aufgrund der Nähe zum Tumor bei beiden Planungen relativ viel Dosis. Es kann aber trotzdem bei der IMRT im Vergleich deutlicher geschont werden.
Gleichzeitig verläuft die rote durchgezogene Kurve steiler als die gestrichelte, was bedeutet, dass der Tumor insgesamt mit einer höheren Dosis bestrahlt werden kann, obwohl die Augen weniger Dosis erhalten.

Stereotaxie

Die Stereotaxie ist eine Hochpräzisionsbestrahlung. Die Bestrahlung wird dabei so genau verabreicht, dass es möglich ist, die Gesamtdosis auf nur wenige Einzelbestrahlungen zu verteilen. Gehirntumoren werden normalerweise 16-20x bestrahlt. Durch die Stereotaxie können bestimmte Gehirntumoren stattdessen an nur 3 Terminen bestrahlt werden. Die Planung für diese Art der Bestrahlung ist extrem kompliziert und zeitaufwändig. Diese Technik wird aktuell noch eingerichtet und wird demnächst in Hofheim für Sie zur Verfügung stehen. Wir werden Sie an dieser Stelle gerne informieren, sobald wir diese Technik anbieten können.

Welche Tumoren können bestrahlt werden?

Zahlreiche Tumore können mit einer Strahlentherapie behandelt werden. Ein Überblick über die wichtigsten Indikationen, die Therapieform und die zu erwartenden Ergebnisse erhalten Sie hier.

Tumoren der Maulhöhle

  • Acanthomatöse Epulis: Primäre Bestrahlung, kuratives Protokoll, i.d.R. Heilung
  • Plattenepithelkarzinom (nur beim Hund): Adjuvante Bestrahlung, Überlebenszeit nach inkompletter Resektion 9-15 Monate
  • Fibrosarkom: Adjuvante Bestrahlung, Überlebenszeit nach inkompletter Resektion ca. 6 Monate
  • Orales Melanom:  Primäre pallative Bestrahlung, Rückgang des Tumors bei >50% der Patienten


Tumoren der Nasenhöhle:
Primäre Bestrahlung, Überlebenszeit Hund: 54% 1 Jahr; 43% 2 Jahre; 35% 3 Jahre; Überlebenszeit Katze: 44% - 67% 1 Jahr

Hauttumoren Hund

  • Mastzellentumoren: Adjuvante Bstrahlung von  Grad 1 und 2 Tumoren: 90% tumorfrei nach >2 Jahren
  • Fibrosarkom (Hund): Adjuvante Bestrahlung, tumorfrei 1 bis >2 Jahre
  • Diverse Karzinome und Sarkome: Adjuvante Bestrahlung, je nach Fall verschieden


Hauttumoren Katze

  • Fibrosarkom: Adjuvante Bestrahlung,  tumorfrei bis 2 Jahre
  • Plattenepithelkarzinom (Nasenspiegel): Primäre Bestrahlung, je nach Fall verschieden, häufig kurativ
  • Diverse Karzinome: Adjuvante Bestrahlung, je nach Fall verschieden


Gehirntumoren:
 Primäre Bestrahlung Hund: Überlebenszeiten: bis >2 Jahre

Osteosarkome
(Hund): Primärepalliative Bestrahlung (Schmerzbestrahlung), Überlebenszeit 4-9 Monate

Sprechzeiten

Termine in unseren Sprechzeiten zwischen 8 und 18 Uhr vereinbaren Sie bitte unter Telefon 06192/290-290

24h Notfallbereitschaft

Sie erreichen uns in dringenden medizinischen Notfällen rund um die Uhr unter der Telefonnummer 06192/290-290

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Telefon: 06192/290-290
Telefax: 06192/290-299